Als drittes Land brachte Deutschland im Juni 2020 die Klima-Selbstverpflichtung des Finanzsektors auf den Weg. Ein Jahr zuvor hatte es in den Niederlanden und Spanien schon ähnliche Vereinbarungen gegeben. Viele unterschiedliche Akteur_innen aus dem Finanzmarkt sind dabei, darunter Großbanken ebenso wie Spezial- und Nachhaltigkeitsbanken wie die UmweltBank. Sie alle wollen sich gegenseitig dabei unterstützen, Deutschland zu einem der führenden Standorte für nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance) zu machen. Aber wie gut ist das den deutschen Banken bislang gelungen?

Grundsätzlich kann man festhalten, dass ein Großteil der Banken erkannt hat, in welchen Bereichen sie die größte Wirkung für das Klima erzielen können. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: Das ist eine wichtige Grundlage. Denn Erkenntnis ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. Und wenn die Banken verstanden haben, welche ihrer Finanzierungen und Investments am klimaschädlichsten sind, können sie diese zukünftig als Erste neu strukturieren.

Ein zweiter Themenbereich der Selbstverpflichtung besteht darin, sich mit den Kundinnen und Kunden für die Transformation der Wirtschaft zu engagieren. Da geht es vor allem darum, das Beratungsangebot entsprechend anzupassen. Die Finanzinstitute können aber beispielsweise auch die eigenen Kommunikationskanäle dafür nutzen, ihre Kundinnen und Kunden zu einem nachhaltigeren Leben zu inspirieren. Auch hier weisen viele der 16 Finanzinstitute bereits gute Ergebnisse auf. Leider sieht es nicht überall so rosig aus.

Sustainable Finance braucht belastbare Methoden

Was noch vielen Kopfschmerzen bereit, sind die Methoden zur Messung der CO2-Emissionen der Kredit- und Investmentportfolien. Trotz Methodenfreiheit tun sich die Banken schwer, Mittel und Wege für eine konsistente CO2-Bilanz ihrer Finanzierungen zu entwickeln.

Die UmweltBank erstellt diese Bilanzierung bereits nach PCAF-Standard. PCAF ist eine internationale Initiative aus 267 Finanzinstituten, die gemeinsam an globalen Standards für die Berichterstattung zum Emissionsausstoß der Finanzindustrie arbeiten. Die UmweltBank kann den bestehenden Standard recht gut anwenden, da sie vorwiegend Immobilien und konkrete Einzelprojekte finanziert. Deren Emissionen sind vergleichsweise gut mit vorhandenen Modellen zu erfassen. Die CO2-Bilanzierung ist bei Unternehmensfinanzierungen nicht so leicht anzuwenden, insbesondere wenn es um Kredite für große Konzerne oder Unternehmen mit sehr unter schiedlichen Geschäftsfeldern geht. Denn hier ist die Datengrundlage für die Berechnungen noch sehr dünn.

Die UmweltBank hat einen weiteren Vorteil: Durch ihr UmweltRating werden beispielsweise alle Baufinanzierungsanfragen schon vor Abschluss auf Nachhaltigkeit geprüft, während die meisten anderen Institute ihre Finanzierungen erst im Nachgang beurteilen

Konkrete Klimaziele fehlen noch

Ein zweiter Knackpunkt sind die Emissions- und damit verbundenen Klimaziele: Die Banken verpflichten sich, spätestens bis Ende 2022 Emissionsziele für alle Portfolien zu formulieren, zu veröffentlichen und die Portfolien entsprechend zu steuern. Doch zu wissen, wie viele Treibhausgase der Finanzsektor aktuell produziert, ist nur das Eine. Wichtiger ist, welche Klimaziele sich daraus ableiten lassen, also ob und unter welchen Voraussetzungen ein Portfolio mit den Klimazielen aus dem Pariser Abkommen vereinbar ist.

Ein wesentlicher Treiber für die Weiterentwicklung und erfolgreiche Umsetzung ist Einheitlichkeit. Damit sind einheitliche Berichtstandards, einheitliche KPIs bzw. Schlüsselindikatoren, aber auch einheitliche Verpflichtungen gemeint. Nur wenn wir die gleiche Sprache sprechen und das Gleiche meinen, wenn wir von „Nachhaltigkeit“ sprechen, wird die Selbstverpflichtung der deutschen Banken zur Erreichung der Klimaziele umgesetzt werden können. Daraus ergibt sich automatisch der zweite Treiber: Es muss bankenübergreifend miteinander daran gearbeitet und nicht zu einem Inselthema gemacht werden, das jedes Finanzinstitut für sich bearbeitet.

Die UmweltBank hat dabei natürlich einen Zeitvorsprung, weil sie Nachhaltigkeit schon seit Jahrzehnten implementiert und umsetzt. Hier ist sie Vorbild und kann andere Banken von ihren Erfahrungen profitieren lassen.

Fazit

Die Klimaschutz-Selbstverpflichtung des Finanzsektors hat bereits viel gebracht. Auch wenn manche Banken sicherlich schon weiter sind als andere. Einige komplexe Probleme bei der Bewertung von Finanzprodukten müssen noch aus dem Weg geräumt werden. Der gemeinsame Austausch und die Kooperation werden dabei aber enorm hilfreich sein.

Weitere Informationen zur Nachhaltigkeit deutscher Banken gibt es auch hier:

Geld regiert die Umwelt: Können Banken das Klima retten? – Bank & Umwelt (bankundumwelt.de)