Der Reiterhof Tinkerfreunde ist das Zuhause von rund 30 Pferden sowie mehreren Kühen, Schafen, Ziegen und Eseln. Die Tiere können sich hier glücklich schätzen: Sie leben in Herdenverbänden. Das heißt, es gibt keine Einzeltierhaltung. Der Offenstall bietet den Tieren genügend Rückzugsraum und sorgt dafür, dass sie sich wohlfühlen. Die Mitglieder des Vereins kümmern sich liebevoll um sie – viele kommen sogar täglich zum Putzen, Füttern, Reiten und Streicheln vorbei.

Heukrise nach heißem Sommer

Diese Bauernhof-Idylle wurde durch den heißen Sommer 2018 gestört, denn die Heuernte fiel durch die Hitzewelle sehr gering aus. Der Reiterhof stand vor einem großen Problem: Für den Verein konnte kein Heu aus der Region kaufen, da schlicht und ergreifend keines mehr da war. Auch Lieferanten aus weiter entfernten Ländern waren schwer zu finden, ihre Heupreise waren aufgrund der Nachfrage und der zusätzlichen Transportkosten entsprechend höher. Normalerweise werden 70 Euro pro Tier im Monat benötigt, nach der Hitzewelle stiegen die Kosten auf über das Doppelte.

Futter per Fahrrad

Eine Mitarbeiterin der UmweltBank bekam von der Krise Wind, da ihre Tochter ein begeistertes Mitglied des Vereins ist. Um den Verein zu unterstützen, schlug sie den Reiterhof als Spendenprojekt für die Spendenaktion „Banker on Bike“ der UmweltBank vor. Für jeden Kilometer Arbeitsweg, den die Mitarbeiter mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen, spendet die UmweltBank einen Euro für gemeinnützige Zwecke. Die Projekte werden dabei von den Mitarbeitern selbst vorgeschlagen und per Abstimmung ausgewählt. Der Reiterhof Tinkerfreunde war eines von sieben Projekten, das die grüne Bank 2018 mit einer Spende unterstützte.

Eine Begegnungsstätte für Mensch und Tier

Die Tinkerfreunde locken mit ihrem Angebot verschiedenste Altersgruppen an. Die ganz Kleinen dürfen bereits ab drei Jahren mitmachen und einen ersten Kontakt zu den Pferden knüpfen. Für Kindergärten und soziale Einrichtungen gibt es spezielle Angebote, wobei Inklusion im Vordergrund steht. Das Wohlergehen von Mensch und Tier hat dabei immer höchste Priorität. Nur so kann ein entspanntes Miteinander gewährleistet werden, welches die Voraussetzung für therapeutisch-pädagogische Maßnahmen ist.

Auf dem Hof wird es sportlich. Nicht nur die Vereinsmitglieder können sich hier austoben, auch die Tiere haben großen Auslauf und viel Raum für Auslauf. | Foto: Reiterhof Tinkerfreunde Nürnberg – Begegnungsstätte für Mensch und Tier e.V.

Die Tinker – das Highlight des Hofs

Auf dem Hof leben rund 18 Tinker, Pferde die im Durchschnitt zwischen 145 und 170 cm groß sind. Von Natur aus sind Tinker gutmütige und sensible Wesen, können bei schlechter Behandlung aber sehr stur sein. Die Tiere hatten zeitweise den Ruf, absolute Anfängerpferde zu sein, weshalb sie oft in unerfahrene Hände kamen. Einige Tinker kamen als unreitbar und nicht mehr handhabbar auf den Hof der Tinkerfreunde. Mit viel Geduld haben es die Vereinsmitglieder geschafft, die ursprünglichen Charaktereigenschaften dieser Rasse wieder hervorzurufen: Gutmütigkeit, Ruhe und Klugheit. Das macht sie zu menschenbezogenen Pferden, die für alle Personen- und Altersgruppen geeignet sind.

Ein lebenslanges Zuhause

Eine Besonderheit des Vereins ist, dass alle Tiere bis zu ihrem Lebensende auf dem Hof bleiben können und auch bei Krankheit weiter gepflegt werden. Einige Tiere brauchen nämlich auch Spezialbehandlungen. Ein Pferd muss wegen einer Lungenkrankheit dreimal täglich inhalieren, ein anderes kann nicht mehr geritten werden. Diese Tiere werden nicht einfach verkauft, sondern bekommen bis an ihr Lebensende viel Liebe und Fürsorge.

Sonnigere Aussichten für den Verein

Trotz der kritischen Situation und der vielen Arbeit, die mit dem Verein verbunden ist, war Aufgeben nie eine Option für Heike Dammann. Der Vorstand half der Vereinsvorsitzenden tatkräftig dabei, Spenden für den Verein zu sammeln, wodurch auch die „Heukrise“ überwunden werden konnte. Sie führten dazu zum Beispiel auch Futterpatenschaften ein, durch die eine Versorgung der älteren Tiere unterstützt wird. Dank seiner vielen Unterstützer kann der Verein fortbestehen und das Miteinander von Mensch und Tier weiterhin fördern.

Mehr Informationen über den Verein finden Sie auf der Website der Tinkerfreunde.