Bankprodukte für alle

Unter „Mikrofinanz“ versteht man Finanzdienstleistungen für Menschen, die von kommerziellen Banken nicht bedient werden, weil sie keine Sicherheiten bieten können, kein regelmäßiges Einkommen haben oder zu abgelegen leben. Das trifft weltweit auf rund zwei Milliarden Menschen zu. Mikrofinanzinstitute bieten ihnen Kredite, Sparkonten oder Versicherungen an, fungieren als Ansprechpartner in Sachen Finanzen und begleiten sie beratend bei ihrer Selbstständigkeit.

Mikrokredite für Kleinstbetriebe

Das investierte Kapital der Fondsanleger wird an ausgewählte Mikrofinanzinstitute in Schwellen- und Entwicklungsländern verliehen. Diese wiederum geben das Kapital als Darlehen an Kleinstunternehmer weiter – der Großteil davon sind Frauen (60-70 %). Oftmals handelt es sich dabei um Einzelpersonen oder Betriebe, die im Gemüsehandel, der Viehzucht, dem Handwerk oder als Schneider tätig sind. Mithilfe der erwirtschafteten Einkünfte zahlen sie innerhalb eines festgelegten Zeitraumes das geliehene Geld zurück. Die Rückzahlungsquoten von über 95 Prozent zeigen, dass das System Wirkung entfaltet.

Ein globaler Wachstumsmarkt

Der globale Mikrofinanzmarkt ist in den vergangen Jahren stark gewachsen,die Nachfrage übersteigt die Finanzierungsmittel bei weitem. Zu den größten Märkten zählen Indien, Kambodscha und Kenia. Laut Microfinance Barometer haben Mikrofinanzinstitute im Jahre 2017 rund 114 Milliarden Dollar an Mikrokrediten vergeben und konnten damit 139 Millionen Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen ermöglichen. Die Ratingagentur „Scope“ führt in einer Analyse aus 2017 an, dass derzeit weltweit ca. 130 Mikrofinanzanlageinstrumente existieren, mit denen Anleger in rund 10.000 Mikrofinanzinstitute investieren können. In Deutschland stehen Privatanlegern bisher lediglich fünf Mikrofinanzfonds zur Auswahl – einer davon ist der Invest in Visions (IIV) Mikrofinanzfonds.

Hilfe zur Selbsthilfe

Durch Mikrofinanzierung lassen sich viele positive Effekte erzielen. Vor allem werden die Kreditnehmer – zum Großteil Frauen –in ihrer Unabhängigkeit gestärkt und können ihre Lebensbedingungen verbessern. Mit dieser „Hilfe zur Selbsthilfe“ werden ganze Regionen wirtschaftlich gestärkt. Der Aufbau von Mikrofinanzinstituten kann langfristig dazu beitragen, nationale Finanzsysteme vor Ort zu etablieren.

Invest in Visions

Die Invest in Visions GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main wurde 2006 von Edda Schröder gegründet und hat mittlerweile knapp 20 Mitarbeitende. Das Unternehmen ist auf sogenannte „Impact Investments“ spezialisiert, d. h. auf Anlagen, die neben finanziellen Erträgen auch eine soziale Rendite bieten. Neben dem Bereich Mikrofinanz werden Investitionen in Projekte aus den Bereichen erneuerbare Energien, Förderung nachhaltiger Agrar- und Forstwirtschaft, Sozialunternehmen sowie soziale Wirkungskredite angeboten.

Edda Schröder setzt sich seit 2006 für Investitionen mit sozialer Rendite ein.
Seit 2015 ist sie Mitglied im Aufsichtsrat der UmweltBank. | Foto: Invest in Visions

Edda Schröder im Interview

 

Frau Schröder, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Mikrofinanzfonds anzubieten?

Ich habe die Invest in Visons GmbH 2006 mit dem Ziel gegründet, Mikrofinanzprodukte zu entwickeln. Auf die Idee kam ich, als die KfW im Jahr 2005 den ersten Mikrofinanzfonds für Osteuropa aufgelegt hat, an dessen Entwicklung ich geringfügig beteiligt war. Da ich schon immer gerne als Backpackerin in den Emerging Markets unterwegs war, bin ich nach Peru gereist und habe mir Mikrofinanzinstitute angesehen. Dort habe ich erlebt, dass das Geld wirklich ankommt und etwas bewirkt.

Für welche Anleger eignet sich der Invest in Visions Mikrofinanzfonds?

Die Anleger sollten ein Interesse an dem Thema Mikrofinanz haben, denn es sind keine Maximalrenditen, die wir erzielen wollen oder werden. Ein Mikrofinanzfonds ist immer eine Beimischung im Portfolio und sollte nie ein Hauptinvestment sein. Denn der Fonds ist nicht täglich handelbar. Er kann einmal im Monat gekauft und vierteljährlich verkauft werden. Auch sollte der Anlagehorizont mindestens drei Jahre betragen.

Wie erfolgt die Auswahl der Partner, d. h. der Mikrofinanzinstitute, konkret?

Grundsätzlich sind wir immer erst vor Ort, bevor wir in ein Mikrofinanzinstitut investieren. Zudem arbeiten wir mit zwei Beratungsgesellschaften zusammen, die für uns die Prüfung und Analyse des Instituts durchführen. Wenn die Zahlen und die ausgehandelten Konditionen stimmen, schauen wir uns den Hauptsitz des Instituts, die Filialen und die Kundenakten an. Dabei überprüfen wir, wofür die Kunden das Geld bekommen und verwendet haben. Wichtig ist uns die Transparenz in der Kommunikation. Die Kunden müssen wissen, wieviel Zinsen sie bezahlen und das Marketing vor Ort muss dementsprechend klar und eindeutig sein. Darüber hinaus spielen soziale Faktoren eine Rolle, beispielsweise wie die Mitarbeiter bezahlt werden. Nur wenn sowohl die Zahlen als auch die soziale Seite stimmen, investieren wir in das Mikrofinanzinstitut. Mittlerweile arbeiten wir mit 96 Mikrofinanzinstituten in 36 Ländern zusammen.

Mit unserer Arbeit möchten wir insbesondere Frauen die Möglichkeit geben, sich finanziell zu emanzipieren und dadurch ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Edda Schröder

Wie ist die Resonanz auf der Investorenseite auf den Fonds bisher?

Insgesamt spricht ja das Volumen für sich: Wir haben jetzt ca. 680 Millionen Euro eingesammelt – überwiegend von Privatpersonen. Das zeigt, dass das Thema Mikrofinanz in den Köpfen der Menschen ankommt. Das Gute ist auch, dass der Fonds bereits seit 2011 am Markt ist. Daher haben wir eine Historie mit einer passablen Rendite. Langsam gewinnen die Menschen Vertrauen, dass Mikrofinanzfonds eine Anlageklasse sein können, die wirklich funktioniert. Wenn man sich die Rückzahlungsquoten auf der Endkreditnehmerseite anschaut, dann liegen diese bei über 97 Prozent.

Spielt der Aspekt eine besondere Rolle, dass mit Mikrofinanzfonds vor allem Frauen gefördert werden?

Als der bengalische Wirtschaftswissenschaftler, Friedensnobelpreisträger und Gründer der Grameen Bank, Professor Yunus, 1976 mit dem Thema Mikrofinanz begonnen hat, war die Zielgruppe eindeutig Frauen. Denn er sagt, dass Frauen einfach besser zurückzahlen. Das hat sich durchgezogen und ist auch ein Ziel von Mikrofinanz: Menschen zu erreichen, die keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben, aber auch die Unabhängigkeit der Frauen zu fördern. Frauen, die zum Familieneinkommen beitragen, bekommen einen ganz anderen Status in der Familie und ein ganz anderes Ansehen.

Planen Sie, weitere nachhaltige/soziale Fonds aufzulegen?

Wenn wir neue Produkte einführen, dann auf jeden Fall in dem sogenannten „Impact Bereich“. Wir sind gerade am Überlegen, ob wir eine Anlagemöglichkeit zum Thema Bildung oder Gesundheit etablieren.

Vielen Dank, Frau Schröder, für das interessante Gespräch.

Weitere Informationen zum Invest in Visions Mikrofinanzfonds finden Sie auf der Website der UmweltBank.

Die Anlage im IIV Mikrofinanzfonds ist mit Risiken verbunden. Diese Risiken können sich nachteilig auf den Anteilswert, auf das vom Anleger investierte Kapital sowie auf die vom Anleger geplante Haltedauer der Fondsanlage auswirken. Insbesondere kann der Anteilwert des Fonds fallen und zu Verlusten beim Anleger führen. Es bestehen keine Garantien der Gesellschaft oder Dritter hinsichtlich einer bestimmten Mindestzahlung bei Rückgabe oder eines bestimmten Anlageerfolgs des Fonds. Anleger sollten sich vor einer Entscheidung über eine Investition mit dem Verkaufsprospekt und den wesentlichen Anlegerinformationen vertraut machen. Diese sind in deutscher Sprache verfügbar und gemeinsam mit weiteren Informationen abrufbar unter www.umweltbank.de/mikrofinanzfonds.