Es rappelt im Karton, und zwar mächtig. Denn immer häufiger werden Waren in viel zu großen Verpackungen verschickt. Rundherum eine Menge Luft oder noch schlimmer: jede Menge Verpackungsmaterial. Beim Auspacken wartet dann die Überraschung; zwischen 15 Metern Plastikfolie und zwei Quadratmetern Kartonage kommt nur das bestellte Klopierpapier zum Vorschein. So oder so ähnlich ergeht es mittlerweile vielen Menschen, die online einkaufen.

Der Verpackungswahnsinn hat Methode

Händler verweisen darauf, dass es oft nicht anders ginge, weil es kaum möglich sei, die Kartongröße an die Ware anzupassen. Bei Produkten, die eine ungewöhnliche Form haben, mag das stimmen. In vielen Fällen wäre eine ressourcenschonendere Verpackung aber durchaus machbar.

Besonders beim Lebensmittel-Versand, einem stark wachsenden Markt, ersticken Kunden nach der Lieferung in Müllbergen. Schließlich müssen empfindliche Produkte wie Eier extrem gut gepolstert werden. Bei Tiefkühlware darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden, also liegen zig Kühl-Packs bei.

Abgesehen davon, dass eine übertriebene Verpackung eine enorme Belastung für die Umwelt ist, macht der Verpackungsmüll einfach Arbeit. Denn das übrige Material muss zerkleinert und zum Container gebracht werden, oder es verstopft die Tonnen im Haus.

Trauriges Highlight unter den verrückten Verpackungen: in Plastikfolie eingeschweißte Bananen. | Foto: Patryssia / Adobe Stock

Verrückte Verpackungen im Obstregal

Auch im Supermarkt stolpert man immer häufiger über völlig unnachvollziehbare Verpackungsvarianten. Hier eine Hitliste mit irrsinnigen Verpackungsideen:

  • in Plastikfolie eingeschweißte Bananen
  • einzelne Birnen im Kunststoffpolster
  • geschälte Mandarinen in einem Plastikbecher
  • hartgekochte Eier ohne Schale in einer Kunststoffbox
  • einzelne Süßkartoffeln oder Karotten in Folie verschweißt
  • geschälte Kokosnüsse in Folie verpackt

Noch mehr Beispiele postet der Account pointless_packaging regelmäßig auf Instagram.

Meist handelt es sich um Convenience-Produkte, also Lebensmittel, die möglichst verzehrfertig verkauft werden. Die Kundschaft soll so wenig Arbeit wie möglich damit haben. Ob der minimale, eingesparte Aufwand, beispielsweise eine Mandarine zu schälen, die damit einhergehende Umweltbelastung rechtfertigt? Ein weiteres Argument sind Hygienestandards. Dabei kann eine Verkeimung von Lebensmitteln auch bereits vor dem Packprozess erfolgen.

Zero-Waste-Apps: Packen wir’s an

Um sich dem Verpackungswahnsinn zu widersetzen, sollte man solche Produkte schlicht nicht kaufen. Dazu kann man sich noch sehr schnell und effektiv mit einem Hinweis beim Hersteller melden. Dabei hilft die App Replace Plastic. Einfach den Barcode des übertrieben verpackten Produktes in die App einlesen und die vorformulierte Beschwerde-Nachricht abschicken. Damit kann jeder unkompliziert und direkt seinen Unmut über das verpackte Produkt kundtun. Je mehr Menschen die App nutzen, desto mehr Druck wird aufgebaut.

Jennifer Timrott, Initiatorin der App und Vorsitzende des Vereins Küste gegen Plastik berichtet in dem Wirtschaftsmagazin Absatzwirtschaft von positiven Erfolgen. So verkauft die Kosmetikmarke Fairsquared einige Artikel nun in Mehrweggläsern. Die Waldemar Behn GmbH aus Eckernförde hat zum Teil Umverpackungen aus Plastik durch Papier ersetzt, nachdem sie über die App einige Nachrichten erhalten hatte.

Gemüse und andere Lebensmittel kann man mittlerweile nicht nur auf Wochenmärkten ohne Umverpackung kaufen. | Foto: kasto / Adobe Stock

Mit Litterati Müll und Daten sammeln

Eine weitere App, die dem Müll den Kampf angesagt hat, ist Litterati. Der Name bezieht sich auf das englische Wort „to litter“, das „wegwerfen“ bedeutet. Mit dieser App soll man Müll fotografieren, der in der Straße oder der Natur liegt. Das Foto wird mitsamt Geo-Daten an die Betreiber verschickt. Diese werten die Fotos aus und erstellen Profile darüber, wo und welche Art von Müll am meisten herumliegt. Das Ergebnis kann man sich in einer interaktiven Karte ansehen. Dass man den für Litterati dokumentierten Müll nicht liegen lässt, sondern am besten gleich entsorgt, versteht sich für die Nutzer von selbst.

Daten als Waffe

Die Idee klingt erst einmal ungewöhnlich, aber aufgrund dieser Daten haben Umweltschützer schon große Erfolge gefeiert. In San Francisco nutzte die Stadt die Daten aus der App, um die Verdopplung der Zigarettensteuer zu begründen. Vor Gericht bekam die Stadt außerdem von den Herstellern vier Millionen Dollar Reinigungskosten pro Jahr zugesprochen.

Nicht ganz so weitreichend, aber doch effektiv war das Müllsammeln einer Gruppe Fünftklässler. Dank Litterati stellten sie fest, dass der Müll auf dem Schulhof überwiegend aus Strohhalmen bestand. Mit dieser Erkenntnis machten sie sich erfolgreich für ein Verbot von Strohhalmen in der Schulcafeteria stark. Der Pausenhof war fortan deutlich sauberer.

Die Apps Replace Plastic und Litterati gibt es kostenlos für Android und iOS. Beide Projekte freuen sich über Spenden.

Google Play Store (Android): Replace Plastic und Litterati

Apple App Store (iOS): Replace Plastic und Litterati