Liebe Gabriele, wie erlebst du bei der UmweltBank AG die Nachfrage nach nachhaltigen Anlageprodukten?

Für viele Menschen wird Nachhaltigkeit auch bei der Geldanlage immer wichtiger. Das merken wir deutlich. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase ist insbesondere das Interesse an nachhaltigen Wertpapieren spürbar angestiegen. Daran hat auch die Corona-Krise bislang nichts geändert – im Gegenteil, die Nachfrage nach Umweltfonds wächst besonders stark. In den im Februar dieses Jahres aufgelegten UmweltSpektrum Mix haben unsere Kundinnen und Kunden beispielsweise bereits über 40 Millionen Euro* investiert. (* Stand: 31.12.2020)

Warum entwickelt sich Nachhaltigkeit zu einem so wichtigen Anlagekriterium?

Wir sehen, dass viele Anlegerinnen und Anleger ihre Vermögensanlage mittlerweile sehr bewusst gestalten. Sie möchten keine Kohlekraftwerke oder Waffenhersteller finanzieren, weder direkt noch indirekt. Vielmehr wollen sie durch ihre Investments beispielsweise die Energiewende fördern. Gezielte Divestments sind daher keine Seltenheit mehr. Das heißt, Kapitalanlegerinnen und -anleger schichten ihre Geldanlage in ökologische und soziale Produkte um. Dabei erwarten sie selbstverständlich auch eine gute Rendite. Es ist ihnen aber genauso wichtig, etwas zum Umweltschutz beizutragen.

Schließen sich eine gute Rendite und nachhaltiges Wirtschaften nicht aus?

Nein, im Gegenteil. Die nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen macht Geschäftsmodelle sogar weniger anfällig für Krisen und reduziert Risiken. Das wirkt sich positiv auf die Rendite aus.

Welche konkreten Vorteile siehst du im Vergleich zu herkömmlichen Portfolios?

Wer grün anlegt, investiert in Zukunftsthemen. Ein nachhaltiges Investment ist somit ein doppelter Gewinn: Anlegerinnen und Anleger unterstützen nachhaltig agierende Unternehmen, profitieren von deren Erfolg und erzielen gleichzeitig einen Nutzen für Umwelt und Gesellschaft. Zudem sind nachhaltige Portfolios einfach stabiler. Das hat sich in der aktuellen Krise erneut gezeigt.

Welche Optionen gibt es für Menschen, die ihr Geld nachhaltig investieren möchten?

Am Markt gibt es mittlerweile für jeden Anlegertyp Produkte, die ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen: von grünen Sparbüchern, über Festgeld und Sparbriefe bis hin zu grünen Anleihen und nachhaltigen Fonds. Allerdings gibt es bislang keinerlei Vorgaben dafür, was ein Finanzprodukt nachhaltig macht.

Wofür wären solche Vorgaben denn wichtig?

Das Problem ist, dass ein Teil der als nachhaltig beworbenen Investments lediglich einen „grünen Anstrich“ hat. So sind auch bei Weitem nicht alle Umweltfonds streng nachhaltig. Fonds beispielsweise, die nach dem Best-in-Class-Ansatz investieren, wählen die vergleichsweise nachhaltigsten Unternehmen jeder Branche aus, aber sie schließen keinen Wirtschaftszweig aus. Daher investieren sie grundsätzlich auch in Atomstrom, Erdöl, Waffen oder die Chlorindustrie. Das erwarten Kapitalanlegerinnen und -anleger aber nicht von einer nachhaltigen Anlage. Doch für sie ist es oft schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Worauf können Anlegerinnen und Anleger denn achten, wenn sie echte nachhaltige Finanzprodukte suchen?

Wer nachhaltig investieren möchte, sollte sich genau informieren und kritisch bleiben. Der Verkaufsprospekt eines Fonds ist eine wichtige Quelle; er informiert über die Anlagegrundsätze und -ziele. Im Jahresbericht findet sich eine Übersicht aller zum Stichtag im Fonds enthaltenen Wertpapiere und auch das meist monatlich veröffentlichte Fonds-Factsheet liefert aktuelle Informationen zum Portfolio.

Über die letzten Jahre haben einige Experten im Bereich der nachhaltigen Geldanlage Maßstäbe gesetzt. Bei der UmweltBank beispielsweise haben wir weitreichende Positiv- und Ausschlusskriterien definiert. Wir orientieren uns an den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Das gilt für unsere gesamte Geschäftstätigkeit und damit natürlich auch für den UmweltSpektrum Mix. Überwacht wird die Einhaltung der Vorgaben vom Umweltrat – einem unabhängigen Kontrollgremium.

Dieses Interview ist zunächst erschienen in der Zeitschrift LION – Sonderveröffentlichung Vermögensanlage vom Oktober 2020.