Ausgaben und Einnahmen sind die beiden Pole, die die wirtschaftliche Situation von Personen, Haushalten, Unternehmen und sogar Staaten beeinflussen. Wer sparen möchte, muss weniger ausgeben, als er einnimmt. Wenn das nicht gelingt, gibt es zwei Möglichkeiten: Einnahmen hoch oder Ausgaben runter. Idealerweise beides.

Balkon statt Balearen

Frugalist_innen achten besonders darauf, ihre Ausgaben zu minimieren. Sie leisten sich also deutlich weniger als sie könnten und geben so wenig Geld wie möglich aus. Damit erzielen sie mitunter eine Sparrate von 70 bis 80 Prozent ihrer Einnahmen. Dafür führen sie ein eher bescheidenes Leben und investieren das Geld, das übrigbleibt, stringent in Immobilien, Aktien und Fonds. Ihr Ziel: In absehbarer Zeit von ihren Ersparnissen leben zu können, also finanziell frei zu sein.

Der Zeitpunkt der gewünschten finanziellen Freiheit ist abhängig davon, wann Frugalist_innen mit dem Vermögensaufbau beginnen und wie viel sie monatlich investieren können. Wer sehr früh beginnt und seine Fixkosten wie die Miete bei einem guten Einkommen lange Zeit sehr niedrig hält, hat sein Ziel gegebenenfalls schon mit vierzig Jahren erreicht.

Finanzielle Freiheit lässt sich planen

Eine Faustregel besagt, dass der Zeitpunkt der finanziellen Freiheit erreicht ist, wenn das 25-Fache des Jahresbedarfs auf der hohen Kante liegt. Dann ist es möglich, aus den Zinserträgen und Dividenden leben zu können, sofern das Geld gut angelegt ist. Die finanzielle Freiheit lässt sich also errechnen:

  1. In einem ersten Schritt müssen die eigenen Ausgaben überprüft und so gut es geht gesenkt werden. Tipp: Ein Haushaltsbuch ist dafür eine gute Hilfe.
  2. Nach ein paar Testmonaten sollte das Monatsbudget realistisch beziffert werden. Notfälle und Sonderausgaben dürfen in der Kalkulation nicht fehlen. Auch zukünftige Lebensumstände wie die Geburt eines Kindes gehören in die Planung.
  3. Stehen die reduzierten notwendigen Ausgaben fest, können sowohl der Jahresbedarf als auch die maximale Sparrate errechnet werden.
  4. Auf dieser Basis lässt sich ausrechnen, wann das Vermögen ausreicht, um bei dem aktuellen Ausgabenapparat ohne weitere Einkünfte leben zu können. Dabei sollte die Rendite auf das angesparte Vermögen jedoch mit maximal 4-5 Prozent konservativ beziffert werden.

Die Berechnungen müssen über die Jahre natürlich immer angepasst werden. Einkünfte können zunehmen, aber natürlich auch wegfallen. Genauso können unvorhersehbare Ausgaben entstehen. All das wirkt sich auf die Sparrate aus.

Ausgaben reduzieren

Wer sich noch nie mit einem spitzen Bleistift an die eigenen Ausgaben gesetzt hat, hat fast immer Potenzial, weniger Geld auszugeben. Typische Geldfallen sind zum Beispiel:

  • Mobilität: Gerade ein eigenes Auto verursacht vergleichsweise hohe Kosten. Mit Carsharing-Modellen, dem Umstieg auf ÖPNV oder das Fahrrad spart man nicht nur Geld, sondern auch noch CO2.
  • Essen: Allein ein To-Go-Kaffee pro Werktag schlägt mit etwa 80 Euro im Monat zu Buche. Essen und Trinken in Restaurants, Kneipen und Imbissen ist stets deutlich teurer, als sich selbst etwas zuzubereiten.
  • Verträge: Einmal abgeschlossen, nie geprüft. Bei Telefon, Strom, Handy und Versicherungen gibt es durch einen Wechsel oft Sparpotenzial. Manche Versicherung ist mittlerweile vielleicht völlig überflüssig.‘
  • Wohnen: In vielen deutschen Städten ist das Wohnen enorm teuer geworden. Der Umzug in ein Randgebiet oder eine kleinere Stadt kann monatlich einige Hundert Euro Sparpotenzial bescheren. Das Leben in einer WG ist nicht jedermanns Sache, aber vielleicht tut es eine kleinere Wohnung auch.

Sparsam leben, ein Leben lang

Ist die finanzielle Freiheit erreicht, behalten Frugalist_innen immer noch einen bescheidenen Lebenswandel bei. Dafür können sie über ihre Zeit uneingeschränkt bestimmen. Manche Frugalist_innen entscheiden sich trotz finanzieller Unabhängigkeit, ab und an Aufträge und Jobs anzunehmen. Damit können sie ihre Rücklagen etwas schonen. Da sie auf das Einkommen nicht angewiesen sind, können sie über Dauer, Ort und Stundenzahl frei bestimmen: Sie können aus einem Hobby eine überschaubare Selbstständigkeit machen, in Teilzeit oder im Ausland arbeiten – und einen Job jederzeit wieder an den Nagel hängen.

Der tägliche Coffee-to-go ist eine typische Geldfalle. | Foto: Dan Burton / unsplash

Finanzkrise als Geburtshelferin

Das Konzept des Frugalismus fußt auf die FIRE-Bewegung aus den USA. Die Abkürzung steht für „Financial Independence, Retire Early“ (deutsch: Finanzielle Unabhängigkeit, frühe Rente). Damit beschreibt sie den beabsichtigten Abschied aus dem Hamsterrad recht gut. Entstanden ist die FIRE-Bewegung in den Jahren der Finanzkrise, insbesondere in 2007. Die Menschen in den USA und natürlich auch in vielen anderen Ländern waren gezwungen, den Gürtel etwas enger zu schnallen. So entstand die Idee, durch einen reduzierten Ausgabenapparat mehr Spielraum für finanzielle Rücklagen zu schaffen.

Minimalimus oder Frugalismus?

Minimalismus und Frugalismus liegen nah beieinander. Der Unterschied ist jedoch, dass Frugalist_innen sich wünschen, in absehbarer Zeit finanziell frei zu sein. Das ist der Hauptgrund für ihren einfachen Lebenswandel. Der Vermögensaufbau ist das erklärte Ziel. Bei Minimalist_innen geht es eher darum, keinen Ballast anzuhäufen und auch mit wenig gut auszukommen. Sie erklären dem Konsum eine klare Absage und konzentrieren sich auf das, was ihnen persönlich wichtig ist. In vielen Fällen geht dies mit einem naturnahen Alltag einher. Dennoch haben beide Ansätze viel gemeinsam: Sie vermeiden unnötigen Konsum und fokussieren sich auf wichtige und sinnstiftende Ausgaben.

Auch wer nicht frugal leben oder besonders früh in Rente gehen möchte, kann dem Prinzip etwas abgewinnen. Denn durch reduzierte und bewusst gewählte Ausgaben werden Finanzmittel frei, die beispielsweise für einen besonderen Wunsch eingesetzt werden können. Oder man legt das Geld an, wie es die Frugalist_innen tun, um sich damit eine Zusatzrente anzusparen. Mit einer grünen Geldanlage investiert man das Geld dazu in eine klimafreundliche Zukunft. Über weniger Konsum freut sich die Umwelt sowieso, denn Konsum ist nahezu immer mit Ressourcenverbrauch und CO2-Ausstoß verbunden.