Speziell die Besteuerung von ausländischen Investmentfonds konnte bislang eine komplexe Angelegenheit sein. Denn die anfallende Kapitalertragsteuer wurde nur bei ausschüttenden Fonds direkt von der Depotbank des Anlegers an das Finanzamt abgeführt. Bei thesaurierenden Auslandsfonds wurde diese bisher nicht von der Fondsgesellschaft an das Finanzamt weiter gegeben. Vielmehr war der Anleger verpflichtet, die angefallenen Erträge selbst in seiner Steuererklärung aufzulisten. Dieses Vorgehen war jedoch relativ aufwendig und vielen Anlegern gar nicht bewusst. Daher war bis Ende 2017 die inländische Depotbank bei Verkauf der Fondsanteile zum Einbehalt von 25 Prozent Quellensteuer auf die in der Besitzzeit erzielten ausschüttungsgleichen Erträge verpflichtet und führte diese an das Finanzamt ab.

Bei Anlegern, die ihre Erträge jährlich in der Steuererklärung bereits angegeben hatten, kam es somit zu einer Doppelbesteuerung und zu einem aufwendigen Papierkrieg. Mit dieser Ungleichbehandlung ist seit Inkrafttreten des Investmentsteuergesetzes zum 1. Januar 2018 Schluss: Ausländische und inländische Fonds werden steuerlich grundsätzlich gleichgestellt. Die Steuern für alle Investmentfonds werden auf Basis einer jährlichen Vorabpauschale berechnet und von der Depotbank direkt an den Fiskus abgeführt. Freistellungsaufträge oder Nichtveranlagungsbescheinigungen werden dabei berücksichtigt.

Wie berechnet die Depotbank die Vorabpauschale?

Die Vorabpauschale ist die Differenz zwischen dem sogenannten Basisertrag des Fonds und der Ausschüttung. Hierbei wird zunächst zu Beginn eines Kalenderjahrs für das vorangegangene Kalenderjahr der Basisertrag ermittelt-

Vorabpauschale = [Basisertrag] – [Ausschüttung des letzten Kalenderjahres]

Basisertrag = [70 % des jährlichen Basiszinses] x [Rücknahmepreis der Fondsanteile zum Jahresbeginn des vorangegangenen Kalenderjahrs (abzüglich Ausschüttung des letzten Kalenderjahres)]

Der Basiszins kann bei der Bundesbank online abgerufen werden.

  • Wenn die Wertsteigerung des Fonds höher ist als der Basisertrag, entspricht der Basisertrag der Vorabpauschale.
  • Ist die Wertsteigerung geringer als der Basisertrag, dann gilt diese als Vorabpauschale.
  • Ist die Wertsteigerung negativ wird gar keine Vorabpauschale berechnet, zudem kann die Vorabpauschale niemals negativ werden.

Teilfreistellung bei Misch- und Aktienfonds

Allgemein stellt der Gesetzgeber zudem je nach Fondskategorie einen Teil der Erträge von der Besteuerung frei, zum Beispiel 15 Prozent bei Mischfonds und 30 Prozent bei Aktienfonds. Die Teilfreistellung ist der Ausgleich für die bereits durch die Fondsgesellschaft abgeführte Körperschaftsteuer. Entsprechend wird die Vorabpauschale noch einmal reduziert. Bei einem Aktienfond beispielsweise fällt die Kapitalertragssteuer also nur auf 70 Prozent der errechneten Vorabpauschale an.

Es gibt ausschüttende und thesaurierende Fonds. Bei Letzteren werden die laufenden Erträge der im Fonds enthaltenen Wertpapiere (z. B. Dividenden und Zinserträge) nicht ausgeschüttet, sondern direkt wieder im Fonds angelegt.

Steuerbelastung beim Verkauf

Auch beim Verkauf von Fondsanteilen ändert sich die Besteuerungssystematik. Die wichtigsten Änderungen: Alle Vorabpauschalen, die während der Haltedauer des Fonds angefallen sind, werden von der Depotbank auf den Verkaufserlös angerechnet und müssen vom Anleger kein zweites Mal besteuert werden. Vom Verkaufserlös wird dann ggf. noch die Teilfreistellung berücksichtigt. Die neue Steuermethodik bewirkt, dass ausschüttende und thesaurierende Fonds während der Haltedauer steuerlich unterschiedlich belastet werden können, spätestens aber bei Verkauf gleichgestellt sind.

Neuer Freibetrag für Altbestände

Eine wesentliche Änderung ist auch, dass der bisherige Bestandsschutz für Fondsanteile, die vor Einführung der Abgeltungssteuer zum 1. Januar 2009 gekauft wurden, eingeschränkt wird. Kursgewinne, die von 2009 bis einschließlich 2017 erzielt wurden, bleiben entsprechend der bisherigen Regelung auch weiterhin steuerfrei. Weitere Kurszuwächse ab dem 1. Januar 2018 werden jedoch steuerpflichtig, sobald sie einen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro je Anleger übersteigen. Wegen dieses relativ hohen Freibetrags dürften für die meisten Privatanleger die Kurszuwächse ihrer Altanlagen auch in Zukunft steuerfrei bleiben. Den Freibetrag müssen Anleger im Rahmen ihrer Steuererklärung über das Finanzamt geltend machen.

Fondsbesteuerung ab Steuerjahr 2018 – das Wesentliche in Kürze:

  • Depotbank berechnet Vorabpauschale und führt Abgeltungsteuer zu Lasten des Depotverrechnungskontos ab
  • ausländische Quellensteuer kann nicht mehr angerechnet werden
  • Teilfreistellung für bestimmte Investmenterträge
  • Wegfall der Steuerfreiheit auf Kursgewinne, die ab 01.01.2018 für vor 2009 gekaufte Altanteile erzielt werden. Allerdings Freibetrag von 100.000 Euro pro Person
  • keine Änderungen für Anleger in staatlich geförderten Riester- und Rürup-Fonds durch die neuen Steuerregelungen