Die Zahlen sehen nicht rosig aus: In 2018 stiegen die Preise für Bauland in Deutschland zum siebten Mal in Folge an. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis beträgt nun 147,73 Euro. Vor fünf Jahren waren es noch 106,48 Euro, also rund 30 Prozent weniger. In beliebten Gegenden liegen die Preise für Bauland noch weit darüber. In Bayern, Berlin, Hamburg oder Baden-Württemberg ist ein Hausbau für viele Familien daher kaum noch zu realisieren.

Wie wollen wir wohnen?

Ein Ausweg aus der Malaise können Baugemeinschaften sein. Bei dieser Lösung schließen sich Bauwillige zusammen und stemmen den Hausbau gemeinsam. Dafür kaufen sie ein Grundstück, das nach den eigenen Vorstellungen bebaut wird: Vom Reihen- bis zum Mehrfamilienhaus ist alles möglich.

Abgesehen von der Gebäudeform entwickeln Baugruppen ein Konzept für das spätere Wohnen auf dem Gelände, beispielsweise ein aktives Miteinander oder eine generationenübergreifende Nachbarschaft. Den nötigen Raum für Begegnung schaffen in diesen Projekten Gemeinschaftsküchen, Gärten, Spielplätze oder Veranstaltungsräume. Auch ökologische Aspekte spielen für Baugemeinschaften oftmals eine große Rolle. Sie entscheiden sich für eine nachhaltige Bauweise, nutzen nachwachsende Ressourcen und energiesparende Wohnkonzepte.

In der Baugemeinschaft wird’s günstiger

Innerhalb der Baugemeinschaft sind solche Ideen leichter umzusetzen als im Alleingang, sofern die Baugruppe ohne Bauträger ans Werk geht. Denn so bewahren sich die Bauleute den größtmöglichen Einfluss auf das Ergebnis. Gleichzeitig spart das gemeinsame Bauen viel Geld, schließlich verteilen sich alle Erwerbsnebenkosten, wie Grunderwerbssteuer, Makler- oder Notarkosten, auf mehrere Schultern; gleiches gilt für die Erschließung des Geländes. Außerdem benötigt die Baugemeinschaft für Reihen- oder Mehrfamilienhäuser weniger Grundstücksfläche als für mehrere Einfamilienhäuser. Das senkt die Anschaffungskosten.

Die größten Vorteile von Baugemeinschaften:

  • geringe Kosten
  • mehr Individualität
  • hoher ökologischer Standard

Rechtsformen von Baugemeinschaften

Je nach Interessenlage und Finanzdecke einer Baugruppe kommen verschiedene Rechtsformen infrage.

In einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) haftet jeder Gesellschafter unbeschränkt auch mit seinem Privatvermögen. Dafür ist diese Rechtsform verhältnismäßig unkompliziert zu gründen. Nach abgeschlossenem Bau kann die GbR aufgelöst und stattdessen eine Wohnungseigentümergesellschaft gebildet werden.

In einer Genossenschaft erwerben die Bewohner Genossenschaftsanteile und erhalten im Gegenzug lebenslanges Mietrecht. Die Bauleute sind also Miteigentümer und Mieter zugleich. Da die Genossenschaft kein kommerzielles Interesse verfolgt, sind die Mieten günstiger. Weiterer Pluspunkt: Niemand haftet mit seinem Privatvermögen.

Das Mietshäuser Syndikat ist ein Unternehmensverbund. Es hat den Zweck, dem Immobilienmarkt Wohnraum als Spekulationsobjekt dauerhaft zu entziehen. Die teilnehmenden Wohnprojekte gründen eine GmbH mit zwei Gesellschaftern: dem Syndikat und dem Hausverein, beide haben jeweils eine Stimme. Zur Finanzierung der Immobilie nutzt die GmbH zum einen Bankkredite, zum andern sammelt sie über Direktkredite von Bewohnern und anderen dem Projekt nahestehenden Personen Geld ein. Wenn das Objekt fertig gestellt ist, zahlen die Bewohner dann entsprechend eine Kostenmiete.

Egal in welcher Rechtsform, Baugemeinschaften können der Einstieg in ein neues Wohnmodell sein. Dafür brauchen die Beteiligten aber nicht nur Geduld und Kompromissbereitschaft, sondern vor allem eine gemeinsame Vision von gemeinschaftlichem Wohnen.

Die Baugemeinschaften WohnMichel bei Berlin und Wunschnachbarn bei Köln haben ihre Idee von sozialem und ökologischem Wohnen umgesetzt – mit einer Finanzierung der UmweltBank.

Weitere Informationen zur Finanzierung von Baugemeinschaften finden Sie unter:

www.umweltbank.de/baufinanzierung/baugemeinschaften