Bäume sind echte Sympathieträger. Ja, ihnen fliegen die Herzen nur so zu. Jeder mag Bäume, oder kennen Sie eine_n Baumgegner_in? Diese umfassende Popularität haben sie sich gründlich verdient. Denn Bäume arbeiten seit jeher Tag für Tag, rund um die Uhr für eine intakte Natur: Ihre Wurzeln schützen den Boden vor Erosion, ihre Wipfel spenden Schatten und ihre herabfallenden Blätter zersetzen sich und führen dem Boden wichtige Nährstoffe zu. Sie sind das Zuhause vieler Vögel und Insekten, liefern Rohstoffe wie Kautschuk, Kaffee oder Holz.

Besonders seit der Klimawandel spürbar wird, sind Bäume en vogue. Denn sie haben zudem die fast magisch anmutende Fähigkeit, Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre zu filtern und zu speichern. Und der zu hohe CO2-Anteil in der Atmosphäre ist bekanntermaßen eines der Kernprobleme, das es im Kampf gegen den Klimawandel zu bewältigen gilt. Deswegen ist es nun möglich, einen Baum zu pflanzen ohne einen Spaten in die Hand zu nehmen.

Der Baum als Werbepartner

Immer mehr Unternehmen entdecken den Baum als sympathischen Werbepartner. Sie starten breitenwirksame Pflanzaktionen und demonstrieren damit ein neues soziales Gewissen. Für viel Aufmerksamkeit sorgte erst Ende Februar 2020 die Kampagne von McDonald’s: In den Restaurants des Fast Food-Riesen konnten Kunden einen Baum zum Sonderpreis erwerben, ihn auf der Plattform Treedom digital pflanzen und anschließend online beim Wachsen beobachten. Das Unternehmen selbst pflanzte ebenfalls 36.000 Treedom-Bäume.

Ein Kasten, ein Quadratmeter Regenwald

Die Idee ist nicht neu. Die erste Aktion dieser Art startete 2001 ausgerechnet eine Brauerei: „Biertrinken für den Regenwald“ brachte Krombacher zeitweise Kultstatus ein. Obwohl die Kampagne aus wettbewerbsrechtlichen Gründen sogar vor dem Bundesgerichtshof landete. Krombacher gewann, die Richter sprachen aber Kritik wegen mangelnder Transparenz aus. Denn das Unternehmen hat zu diesem Zeitpunkt gar keine Bäume gepflanzt. Krombacher spendete an einen Nationalpark in Zentralafrika. Der WWF verwendete die Gelder für den Erhalt dieses Areals. Erst ein paar Jahre später, ab 2009, unterstützte Krombacher ein Aufforstungsprojekt des WWF auf der Insel Borneo. Diese einst kahl geschlagene Fläche hat sich nach der Pflanzaktion in der Tat gut entwickelt.

Regenwald ist schwer zu ersetzen

Das Krombacher-Beispiel lässt erahnen, dass Pflanzaktionen nicht die gefälligen Win-Win-Situationn sind, als die sie präsentiert werden. Denn so einfach ist es mit der Aufforstung nicht. Man kann nicht an einer Stelle des Planeten weite Teile des Waldes abholzen und den Schaden damit reparieren, dass man an völlig anderer Stelle Bäume pflanzt. Regenwald beispielsweise besteht aus einer sehr vielfältigen Vegetation. Er braucht über 60 Jahre, um sich vollständig zu regenerieren. Viele Aufforstungsprojekten wählen aber nur ein bis zwei Baumarten aus. Es entstehen Monokulturen, die mit dem breiten Spektrum eines Regenwaldes nicht mithalten können.

Wie lassen sich Bäume wirksam pflanzen? Das gelingt mit Helferinnen und Helfern vor Ort, die sich nachhaltig um den Bestand kümmern. Der Verein Tropica Verde beweist dies seit einigen Jahren mit zahlreichen Projekten. | Foto: Tropica Verde

Importierte Bäume richten Schaden an

Wichtig ist auch, welche Bäume gepflanzt werden. Eukalyptus wird beispielsweise gerne verwendet, weil er sehr schnell wächst. Allerdings ist er an vielen Orten der Welt gar nicht zuhause. An der falschen Stelle nimmt der durstige Eukalyptus den einheimischen Pflanzen das Wasser weg. In Europa hat man vielerorts Eichenbäume mit den schneller wachsenden Nadelbäumen ersetzt. Dadurch ist sogar ein kleines Plus an Bewaldung entstanden. Klingt gut, aber Nadelbäume speichern nicht so viel CO2, stattdessen heizen sie ihre Umgebung auf und tragen damit zur Erderwärmung bei. Zum Vergleich: Eine Buche mit der gleichen Höhe und dem gleichen Durchmesser speichert im Laufe von gut 100 Jahren fast eine Tonne mehr CO2 als eine Fichte. Dies liegt daran, dass die Holzdichte bei der Buche höher ist.

Bei Pflanzaktionen müssen zudem lokale Divergenzen, wie Boden- und Temperaturunterschiede, beachtet werden. Außerdem sollte beim Bäumepflanzen langfristige klimatische Veränderungen eingeplant werden. Wie die Zukunft unserer Wälder aussehen kann, haben wir in einem Interview mit Dr. Martin Werneyer erfragt.

Mit dem Pflanzen ist es nicht getan

Bei den Pflanzaktionen von Unternehmen liegt der Fokus auf Menge: Wie viele Bäume wurden in welchem Zeitraum gepflanzt? Je größer die Zahl, desto besser der Marketingeffekt. Für den Klimaschutz ist aber viel wichtiger, wie viele Bäume tatsächlich gewachsen sind. Es reicht nicht aus, die Pflanze einzugraben, sie muss im Anschluss kontinuierlich gepflegt werden. Junge Bäume sind sehr anfällig für Krankheiten, brauchen Licht und Nährstoffe. Ohne Pflege ist die Chance recht groß, dass sie sterben. Auch das wird in den werbewirksamen Aufforstungsprojekten meist nicht eingeplant. Nach dem Einpflanzen der Bäume werden die Areale sich selbst überlassen. Bei solchen Pflanzaktionen ist der Begriff Greenwashing durchaus angebracht.

Was ist Greenwashing?

Der englische Begriff Greenwashing kann ins Deutsche mit Grünfärberei übersetzt werden. Er bezeichnet eine kritische PR-Methode, die Unternehmen anwenden, um in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches Image zu erlangen. Oft handelt es sich dabei um Unternehmen, die besonders umweltschädliche Produkte vertreiben. Pflanzaktionen – wenn sie nicht durchdacht sind – können zwar Greenwashing sein, doch umfasst diese Methode viel mehr. Beispielsweise irreführende oder symbolische Labels.

Bäumepflanzen hat Potenzial

Laut einer Forschungsgruppe der ETH Zürich könnten über 900 Millionen Hektar weltweit aufgeforstet werden. Diese Flächen liegen überwiegend in Russland, Nordamerika, Australien und China. Sind diese Wälder herangewachsen, könnten sie gut 200 Milliarden Tonnen CO2 speichern. Das sind etwa zwei Drittel der 300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, die seit der industriellen Revolution durch den Menschen verursacht in die Atmosphäre gelangten. Die Zahlen zeigen zwei Dinge:

  1. Es macht durchaus Sinn, Pflanzaktionen durchzuführen und zu unterstützen. Auch wenn kontroverse Unternehmen wie McDonald’s Bäume pflanzen, ist das nicht per se verkehrt. Denn gerade große weltweite Marken erreichen sehr viele Menschen, die bisher mit dem Thema keine Berührung hatten. Wichtig ist allerdings, dass die Aufforstung gut gemacht wird. Wahlloses Bäumepflanzen ohne weitere Pflegepläne hilft dem Klima wenig.
  2. Das Pflanzen von Bäumen allein rettet das Klima nicht. Selbst wenn die gesamten 900 Millionen Hektar in absehbarer Zeit bepflanzt würden, brauchen Wälder einige Jahrzehnte, bis sie ihre ganze Kraft als CO2-Killer entfalten. In der Zwischenzeit schreitet der Klimawandel aber fort. Außerdem bliebe immer noch ein weiteres Drittel an Kohlenstoff übrig, dass es abzubauen gilt.

Bäumepflanzen ist nur ein Puzzleteil. In Kombination mit anderen Maßnahmen sind professionelle Aufforstungsprojekte durchaus ein wirksames Mittel. Als Verbraucher_in lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wie die Pflanzaktion eines Unternehmens im Detail aussieht. Es gilt zu prüfen, ob das Engagement ernst gemeint ist oder sich um Greenwashing handelt. Ein gutes Beispiel für wirksames Bäumepflanzen ist die Internetsuchmaschine Ecosia. Mit den Gewinnen aus Anzeigen hat das Unternehmen bereits so viele Bäume gepflanzt, dass 3,7 Millionen Tonnen CO2 eingespart wurden. Mit der richtigen Suchmaschine kann man also auch sinnvoll Bäume pflanzen.

Die UmweltBank spendet im Rahmen ihrer Neukundenaktion 5 Euro für jede neue Kundin bzw. jeden neuen Kunden an den Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Dadurch wird der Rainer Wald im Donautal nachhaltig geschützt. Über die Verwendung der Spendengelder und die Arbeit des LBV informieren wir uns regelmäßig und berichten darüber hier im Blog.