Prof. Gege, Ihre Mitglieder teilen ein wichtiges Ziel: die Vision vom nachhaltigen Wirtschaften. Was bedeutet das konkret im Unternehmensalltag?

Nachhaltiges Wirtschaften im unternehmerischen Alltag bedeutet, mit unseren knappen Ressourcen schonend umzugehen, gezielt erneuerbare Energien einzusetzen und die Chancen der Energie-Ressourceneffizienz konsequent und umfassend zu nutzen. Das geht nur, wenn Unternehmen verstärkt in Kreisläufen denken: Abfälle sollten vermieden bzw. recycelt werden, Wasser ist in Kreisläufen zu führen, Gebäude sollten energetisch saniert werden.

Viel mehr als bisher müssen auch die Probleme der Biodiversität beachtet werden. Dafür hat B.A.U.M. Checklisten entwickelt, wie die Biodiversität auch im Unternehmen gesichert werden kann. Der Anfang von nachhaltigem Wirtschaften ist immer eine umfassende Ist-Analyse. Darauf baut eine Nachhaltigkeitsstrategie auf, mit einem detaillierten Maßnahmenplan und Kontrollen. Damit das im Alltag gelebt werden kann, müssen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbezogen werden. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist ein verantwortlicher „Kümmerer“ – und natürlich die Unterstützung durch das Management.

Wie ist der Verein denn entstanden? 1984 hat man Nachhaltigkeit und Wirtschaften noch nicht so häufig in einem Zusammenhang gesehen?

Ich kam 1979 von einer Rundreise aus Griechenland zurück und hatte das Buch von Herbert Gruhl „Ein Planet wird geplündert“ gelesen. Es war für mich die entscheidende Initialzündung, mich künftig primär mit dem Umweltschutz zu beschäftigen. Ich gründete gemeinsam mit Loki Schmidt und Heinz Sielmann die Aktionsgemeinschaft Umwelt, Gesundheit und Ernährung (A.U.G.E.) und dann mit Janosch den Kinder-Umwelt-Klub International (KUKI).

Damals arbeitete ich bei Winter & Sohn, einer traditionsreichen Diamantwerkzeugfabrik mit zahlreichen internationalen Tochtergesellschaften. Der Mit-Inhaber Dr. Georg Winter begrüßte meinen Entschluss, dass ich mich statt meinen bisherigen Aufgaben lieber dem Umweltschutz widmen wollte. Er war selbst davon überzeugt, und so gründeten wir gemeinsam mit weiteren Hamburger Unternehmer_innen 1984 den Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management, kurz B.A.U.M.

Unsere Kernaussage war und ist, dass ohne eine umweltbewusste Unternehmensführung keine umweltorientierte Gesellschaft möglich ist.

Prof. Dr. Maximilian Gege

Vorsitzender von B.A.U.M. e. V.

Heute ist der Verein die Stimme der nachhaltigen Wirtschaft und die größte Initiative in Europa. Wir freuen uns über zahlreiche nationale und internationale Preise. Dabei gab es durchaus mächtig Kritik: Umweltschutz koste nur Geld und ruiniere die Wirtschaft. Das Gegenteil konnten wir durch langjährige praktische Arbeit und Beispiele klar belegen. Schon damals waren umweltbewusste Unternehmen auch ökonomisch erfolgreich. Ein Durchbruch gelang uns durch einen meiner Vorträge: An der Akademie in Tutzing hörte der damalige BDI-Präsident Tyl Necker meine Ausführungen über die Chancen einer umweltbewussten Unternehmensführung. Anschließend kam er auf mich zu und sagte: „Jetzt habe ich verstanden“.

Wie kam es dazu, dass der Verein an der Entwicklung eines Fonds beteiligt war? Welche Vorteile sehen Sie darin?

Das Konzept des B.A.U.M. Fair Future Fonds habe ich selbst in mehrjähriger Arbeit entwickelt. Da ich vor meinem BWL-Studium eine Bankausbildung absolviert hatte und Erfahrungen in der Wertpapier-Abteilung sammeln konnte, war mir das Metier durchaus vertraut. Es sollte ein Fonds werden, der sich primär auf mittelständische Unternehmen ohne jegliche Skandale konzentrierte, oft Weltmarktführer, Hidden Champions, mit Awards ausgezeichnet.

Ich suchte nach vorbildlichen Projekten, zukunftsweisenden Produkten und Dienstleistungen. Dabei war ich immer wieder verwundert, wie oft skandalbehaftete Unternehmen in Portfolios enthalten waren, in deren Hochglanzbroschüren Nachhaltigkeit explizit herausgestellt wurde.

Den B.A.U.M. e. V. in das Projekt hinzuziehen war naheliegend, da der Verein über viele Jahre ein Netzwerk mit zahlreichen vorbildlichen Öko-Pionieren aufgebaut hatte. Durch unsere Arbeit konnten wir wertvolle praktische Erfahrungen gewinnen, die der nachhaltigen Qualität des B.A.U.M. Fair Future Fonds sehr zugutekamen. Wir haben im B.A.U.M.-Netzwerk sowohl erfolgreich nachhaltig wirtschaftende Unternehmen als auch Expert_innen bei den B.A.U.M. Consult-Gesellschaften mit erstklassigen Referenzen zu den für uns relevanten Themenbereichen.

Prof. Dr. Maximilian Gege ist Vorsitzender von B.A.U.M. e. V. | Foto: Prof. Dr. Maximilian Gege

Das Fonds-Konzept sieht außerdem eine zusätzliche erfolgsabhängige Vergütung vor (Performance Fee). Sind die Bedingungen dafür erfüllt, wird diese Vergütung an die von mir gegründete Green Growth Futura (GGF) weitergeleitet, die auch die umfassende sozial-ökologische Analyse und Bewertung der Unternehmen für den Fonds durchführt und die Unternehmen zur Aufnahme in das Portfolio vorschlägt. Die GGF leitet dann den überwiegenden Teil der Performance Fee an die Stiftung Chancen für Kinder weiter, diese Stiftung fördert mit den Geldern Bildungsprojekt-Kinderprojekte weltweit. Zusätzlich möchte ich mit der Performance Fee auch dazu beitragen, dass die Arbeit von B.A.U.M. langfristig unterstützt und gesichert wird.

Der B.A.U.M. Fair Future Fonds setzt stark auf Nachhaltigkeit und beruht auf den Prinzipien Ihres Vereins. Nach welchen Kriterien erfolgt denn die Auswahl der Titel?

Wir haben dazu eine Checkliste auf der Basis des DNK (Deutscher Nachhaltigkeitskodex) sowie ein spezielles Verfahren für individuelle Unternehmensprofile entwickelt. Dem ist eine detaillierte Bewertungsmatrix vorgeschaltet, die ich in jahrelanger Arbeit selbst konzipiert habe. Diese Matrix enthält verschiedenste Bewertungsindikatoren, die für jedes infrage kommende Unternehmen ermittelt und zusammengefasst werden.

Neben diesen sozial-ökologischen Faktoren gibt es drei weitere Voraussetzungen: eine skandalfreie Unternehmenshistorie, eine nachhaltige Zukunftsorientierung und die Erfüllung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen. Es folgen noch verschiedenste unabhängige Prüfprozesse und Diskussionen. Erst dann entscheidet sich, ob das vorgeschlagene Unternehmen zur Aufnahme in das Anlageuniversum empfohlen wird. Alternativ gibt es die Möglichkeit, das Unternehmen auf eine Watchlist zu setzen und offene Fragen zu klären oder die Aufnahme komplett abzulehnen. Mit unserer Arbeit möchten wir auch die Nachhaltigkeitsprozesse der Unternehmen begleiten und konkrete Hinweise zu Verbesserungen geben.

Als Aktienfonds strebt der B.A.U.M. Fair Future Fonds einen hohen Wertzuwachs an. Kann ein Nachhaltigkeitsfonds das überhaupt leisten?

Die letzten Jahre haben klar gezeigt, dass sich konsequent nachhaltiges Wirtschaften auch ökonomisch lohnt. In vielen Fällen erzielen nachhaltig geführte Unternehmen eine bessere Performance. Diverse wissenschaftliche Studien belegen das. Eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie führt dazu, dass Unternehmen bestimmte Risiken von vorneherein meiden. Diese Unternehmen nutzen verstärkt Energie- und Ressourcen-Einsparpotenziale sowie erneuerbare Energien und Kreislaufsysteme wie das Cradle-to-Cradle-Konzept. Dies wirkt sich positiv auf ihre Ertragslage aus. Nachhaltigkeitsfonds können somit durchaus mit anderen Fonds mithalten und brauchen keinen Vergleich zu scheuen.

Dazu kommt noch das gute Gefühl, mit einer Anlage in einem Nachhaltigkeits- oder Ethik-Fonds einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltigere Welt zu leisten. Beim B.A.U.M. Fair Future Fonds ist ein zusätzlicher Vorteil die Finanzierung von Kinder-Bildungsprojekten durch die Performance Fee. Damit konnten wir bereits im ersten Jahr des Bestehens über den Fonds rund 140.000 Euro für fünf deutsche und fünf internationale Projekte bereitstellen. Auch das ist für viele Anlegerinnen und Anleger ein wichtiger Aspekt.

Herr Gege, vielen Dank für das Gespräch.

Professor Dr. Maximilian Gege ist promovierter Betriebswirt, Konzernrevisor, Direktor Planung und Umwelt bei Winter in Hamburg, Mitgründer und langjähriger Vorstandsvorsitzender von B.A.U.M. e. V., Gründer der Green Growth Futura und der Stiftung Chancen für Kinder. Er ist Honorarprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg und hat zahlreiche Beirats­-/Juryfunktionen inne, verschiedene Veröffentlichungen und internationale Auszeichnungen begleiten seinen Werdegang.

Weitere Informationen zum Aktienfonds B.A.U.M. Fair Future Fonds finden Sie auf der Website der UmweltBank: www.umweltbank.de/fair-future-fonds